Stellungnahme von Drewermann-Biograf Matthias Beier: Vorwürfe gegen Drewermann halten Faktencheck nicht stand.

Von Matthias Beier, Autor von Eugen Drewermann: Die Biografie (Patmos 2017) und Gott ohne Angst: Einführung in das Denken Eugen Drewermanns (Patmos 2010)

Der Publik-Forum Journalist Matthias Drobinski hat in drei Beiträgen (hier, hier und hier) schwere Vorwürfe gegen den bekannten Kirchenkritiker und Pazifisten Eugen Drewermann erhoben. Die Anschuldigungen haben weite Verbreitung in katholischen und evangelischen Medien gefunden und auch den langjährigen Unterstützer Drewermanns, Peter Eicher, dazu bewogen, in einem offenen Brief kritische Fragen an Drewermann zu richten.

Als Biograf Drewermanns lege ich im Folgenden an einigen zentralen Beispielen einen Faktencheck der Vorwürfe vor. Ziel ist nicht eine Verteidigung Drewermanns, sondern eine nüchterene Klarstellung von Fakten. Es wird dabei deutlich, dass die Vorwürfe zumeist falsch sind oder auf Insinuationen beruhen, die bei näherer Betrachtung gegenstandslos sind.

Zum Ukraine Krieg

Vorwurf 1: Am 20. März 2022 schrieb Drobinski, dass Drewermann in einem Russia Today Interview den gegenwärtigen „Angriffskrieg auf die Ukraine“ nicht kritisiert habe. Am 7. April 2022 meint Drobinski, Drewermann trete deswegen „den Pazifismus mit Füßen“.

Faktencheck: der Vorwurf ist falsch, weil irreführend.

Drewermann hat zwar einmal ein Russia Today Interview gegeben, doch war dies im Mai 2019, also nahezu drei Jahre vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine. Somit kann er damals diesen Krieg noch nicht kritisiert haben. In dem Vorwurf wird ein Faktum von vor drei Jahren falsch so dargestellt, als ob Drewermann heute den Angriffskrieg auf die Ukraine nicht kritisiere. Andererseits hatte Drewermann den Ukraine Krieg in der Tat bereits schon zwei Wochen vor dem Vorwurf verurteilt. In einem weit beachteten Interview, das ich mit Drewermann am 6. März 2022 geführt habe und das schon über 150000 Mal angeschaut wurde, erklärte er unmissverständlich: „Ich halte diesen Krieg für ein Verbrechen.“ Auch Peter Eicher scheint von Drewermanns Verurteilung des Krieges als Verbrechen nichts gewusst zu haben als er nahezu zwei Monate danach Drewermann fälschlich fragt: „Wie können Sie über Russlands Verbrechen hinweggehen?“ Wie das Zitat belegt, tut er das nicht. Ähnlich wie Papst Franziskus und respektierte Politikwissenschaftler in den USA, etwa John Mearsheimer an der University of Chicago, betont Drewermann jedoch, dass die NATO eine Mitschuld an der Entstehung und Eskalation des Ukraine Krieges hat und dass mehr Waffenlieferungen zu mehr Opfern statt zu Frieden führen werden.


Vorwurf 2: Am 20. März 2022 sagte Drobinski auf domradio.de, Drewermann traue „Putin letztlich alles Gute“ zu. Am 7. April 2022 behauptet Drobinski auf Chrismon.de (abgedruckt in der Mai Chrismon Plus Druckausgabe), Drewermann kritisiere Putin nicht, sondern sei weiter unter denen, die Putin „für einen Ehrenmann“ halten.

Faktencheck: der Vorwurf ist falsch.

Schon Wochen vor diesen Vorwürfen erklärte Drewermann am 6. März 2022 deutlich: „Ich bin entsetzt von dem Krieg in der Ukraine und ich bin schwer enttäuscht auch von Putin.“ Ein paar Tage später, am 11. März, fügt Drewermann in einem Gespräch mit der Evangelischen Zeitung hinzu, er sei „nicht nur enttäuscht, sondern entsetzt, dass … der Einmarsch [von Putin] befohlen wurde.“


Vorwurf 3: Drobinski behauptet, Drewermann habe in dem Russia Today Interview in 2019 „kein einziges Wort … über die Militarisierung Russlands“ verloren.

Faktencheck: der Vorwurf ist falsch.

In dem Russia Today Interview hat Drewermann neben seiner Kritik an der NATO auch Kritik an Russland geübt. Wörtlich sagt er dort: „Es wäre auch zu wünschen, dass Russland aufhörte, seine ‘großen‘ Siege militärisch weiter so propagandistisch zu feiern. Auch da wäre Abrüstung, Pazifismus mir ein wünschenswertes Ziel.“

Kann man Drobinski nicht vielleicht doch zustimmen, dass jetzt während dem Ukraine-Krieg die Tatsache problematisch sei, dass Drewermann vor drei Jahren einmal Russia Today, „dem russischen Propaganda Sender,“ ein Interview gegeben hat? Da Drewermann in dem Interview auch Kritik an Russland geübt hat, ist eine solche Argumentation nicht überzeugend. Zudem haben andere Prominente verschiedenster weltanschaulicher Perspektiven auch schon mit Russia Today gesprochen, darunter die SPD Politiker Katarina Barley und Sigmar Gabriel, der CDU Politiker Peter Altemaier, Oskar Lafontaine, Verteidigungsminsterin Annegret Kramp-Karrenbauer, der FDP Politiker Wolfgang Kubicki, etc. Daher ist ein Vorwurf gegen Drewermann nach dem Prinzip von Kontaktschuld nicht schlüssig. Zu erwähnen ist auch, dass Drewermann in dem Interview generell für alle Seiten feststellt: „Mit Christus ist kein Krieg zu machen.“ Dies richtet sich heute sowohl an Putin wie an Biden und die NATO, an die christlichen Bischöfe im Westen wie an die orthodoxen Patriarchen im Osten. Würden Putin und die NATO dieses Interview umsetzen, gäbe es keinen Krieg.


Vorwurf 4: Weil Drewermann die „Nato als ‚schlimmste Angriffsarmee der Weltgeschichte‘“ bezeichnet, tue er so, „als hätte es Hitler nie gegeben.“

Faktencheck: Die Insinuation, dass Drewermann mit dieser Bezeichnung der NATO Hitler nivelliere, ist falsch.

Wahr ist, dass Drewermann die NATO so charaktersiert hat und dass die Wortwahl „schlimmste“ missverständlich ist. Auf Anfrage erklärte Drewermann, dass er damit freilich nicht die Greueltaten des Nationalsozialismus relativieren will. Er nennt die NATO so, um zu betonen, dass sie das zahlenmäßig größte aktive Miltärbündnis mit den meisten scheußlichen Waffen in der Weltgeschichte ist. Eicher selbst weist darauf hin, dass es genüge, Drewermanns Werk „zu zitieren,“ um zu wissen, dass eine Nivellierung von Hitler nicht mit dieser Charakterisierung der NATO gemeint ist.

Zur Impfung gegen Corona

Vorwurf 5: „Drewermann ist bei den Impfgegnern angekommen,“ wobei er „Menschen letztlich aufforderte, sich nicht impfen zu lassen.“

Faktencheck: der Vorwurf ist falsch.

Drewermann ist selbst geimpft und hat nie jemanden aufgefordert, sich nicht mit mRNA-Impfungen impfen zu lassen. Er hat denjenigen, die mRNA-Impfungen ängstlich gegenüber stehen, schon am 6. März die Novavox Impfung empfohlen, wofür er von Impfgegnern wiederum kritisiert wurde. Richtig ist, dass Drewermann der mRNA-basierten Impfung aufgrund des Eilverfahrens und den aus seiner Sicht noch nicht genügend studierten Nebenwirkungen vorsichtig gegenübersteht. Das macht ihn nicht zum Impfgegner. Stattdessen wendet er sich gegen die spalterische Rhetorik, die in einem angstgetriebenen Klima des gruppenpsychologischen Drucks gegenüber Menschen gebraucht wird, die an der Sicherheit der mRNA-Impfung Bedenken haben oder sich aus verschiedensten subjektiv für sie gültigen Gründen gegen eine Impfung und gegen eine Impfpflicht entschieden haben. Wie die kürzliche Scheiterung der Impfpflicht im Deutschen Bundestag und die zunehmenden Stimmen gegen Ausgrenzung von Andersdenkenden in Sachen Corona zeigen, ist Drewermann hier nicht alleine und sollte nicht als verschwörungstheoretischer Impfgegner verunglimpft werden.


Vorwurf 6: Drewermann verbreite eine „gefährliche“ Falschheit: „Er sagt dann: Menschen, die sich nicht impfen lassen und eine Corona-Infektion durchmachen, sind besser geschützt als Geimpfte. Aber das stimmt nicht, da habe ich mir auch Expertise eingeholt.“

Faktencheck: Der Vorwurf ist falsch, weil Drewermann sich hier auf seriöse Studien beziehen kann, die nicht von Verschwörungstheoretikern stammen.

Es stimmt, dass Drewermann in seiner Neujahrsansprache gesagt hat: „die Genesenen sind eigentlich besser geschützt als die Geimpften.“ Das sagt aber auch der Schweizer Bundesrat. So berichtete das respektierte Schweizer Tagblatt zwei Monate vor der Neujahrsansprache genau das, was Drewermann auch beschreibt: die „Genesenen sind sogar besser geschützt.“ „Jedenfalls zeigten in den vergangenen Monaten verschiedene Studien, dass Genesene deutlich seltener erneut an Covid-19 erkranken als Geimpfte.“ Aufgrund dieser Ergebnisse stellt der Schweizer Bundesrat bis heute Genese Geimpften gleich. Der Schweizer Bundesrat wird nicht verdächtigt, gefährliche Verschwörungstheorien zu verbreiten oder unter den Impfgegnern zu sein. Noch sollte dies für Drewermann insinuiert werden.


Vorwurf 7: Drewermann behaupte „in einem Video, die Polizei in Hamburg sei in das Büro eines Forschers eingedrungen, der herausgefunden habe, dass nur ein Prozent der Menschen tatsächlich an Corona und nicht mit Corona gestorben sei. Die Polizei habe diese Unterlagen beschlagnahmt. Das ist eine Verschwörungstheorie.“

Faktencheck: es ist richtig, dass Drewermann dies gesagt hat und dass es falsch ist; es ist aber falsch, dass dahinter eine Verschwörungstheorie steckt.

Drobinski versucht hauptsächlich an diesem einen Punkt festzumachen (er erwähnt ihn jedesmal), dass Drewermann mit Bezug zur Impfthematik ein Verschwörungstheoretiker sei. Es handelt sich dabei jedoch nur um einen versehentlichen Fehler, der Drewermann in der Neujahrsansprache unterlaufen war und sogleich von Drewermann in der Druckausgabe der Rede korrigiert wurde. Ähnlich verhält es sich mit einem zweiten Fehler, in dem Drewermann fälschlich vom Einsatz von mRNA-Technik bei Impfungen gegen die Schweinegrippe und Vogelgrippe sprach. Wie es zu dem Fehler über die angebliche Hausdurchsuchung in Eppendorf kommt, ist leicht erklärt, ohne dafür eine Verschwörungstheorie zu bemühen. Anfang November 2021 wurde berichtet, dass der kontroverse Hamburger Mediziner Klaus Püschel, der aufgrund von Obduktionen die Corona-Infektionsrate auf weniger als 1 % eingeschätzt hatte, nur unter Polizeischutz eine Lesung aus seinem Krimi in Hamburg geben konnte. Dies hatte Drewermann in der 90-minütigen freien Rede versehentlich assoziativ verwechselt mit anderen Berichten in den Medien über Hausdurchsuchungen von ÄrztInnen und medizinischen GutachterInnen im Zusammenhang mit der Pandemie (z.B. in Gerichtsverfahren in Hamburg und Weimar). Die Erwähnung von solchen Hausdurchsuchungen ist in sich keine Verschwörungstheorie. Drewermann wollte auf die massenpsychologische Polarisierung in einem sozialen Klima erhöhter Angst aufgrund der Pandemie hinweisen, das auch im Rahmen einer Demokratie zu Meinungskonformismus (im Sinne des weit rezipierten Werkes von Michel Foucault) drängen kann.


Vorwurf 8: Drewermann hat einen Friedensappell („Neuer Krefelder Appell“) unterzeichnet, der veschwörungstheoretisch von der Pandemiebekämpfung spricht.

Faktencheck: Richtig ist, dass Drewermann den Appell unterzeichnet hat. Falsch ist, dass er es aufgrund der darin enthaltenen verschwörungstheoretischen Elemente tat oder diese unterstützt. Er unterschrieb den Appell nur, weil er dazu aufrief, „Raus aus der NATO.“

Es ist verständlich, dass mit der Unterzeichnung der Eindruck entsteht, Drewermann verstehe alles in dem Appell und unterstütze alles darin. Drobinski selbst hatte jedoch seine Zweifel an beidem: „Wusste Drewermann, was er da unterschrieb.“ Wie Drewermann mir in einem Telefonat zur Sache mitteilte, „wusste“ er es nicht. Als Drewermann oben auf dem Appell las „NATO raus. Raus aus der NATO,“ habe er ihn nur „überflogen“ und unterschrieben, ohne ihn genau zu lesen. Er glaubte, bei dem „Neuen Krefelder Appell“ handele es sich aufgrund des Namens um einen Aufruf in der Tradition des weit getragenen ersten Krefelder Appells aus den 80ern. Bevor Drobinski davon berichtete, dass der Appell Verschwörungstheorien um den von Klaus Schwab, dem Direktor des Weltwirtschaftsforums, vorgeschlagenen „Great Reset,“ enthält, war dies Drewermann nicht bekannt. Obwohl Drobinski zurecht Zweifel hatte, dass Drewermann wusste, was damit gemeint ist, nahm er es dann doch einfach an und postulierte auf dieser Basis, dass Drewermanns Unterzeichnung des Appells ein Indiz für eine Verschwörungstheorie sei. Ein Faktencheck findet hingegen Unwissenheit und Ignoranz. Es wäre Drewermann zu raten, in Zukunft genauer zu prüfen, bevor er Appelle unterzeichnet.

Zu Verschwörungstheorien

Vorwurf 9: Drewermann mache „gemeinsame“ Sache mit dem „Querdenken-Gründer Michael Ballweg,“ weil beide den Neuen Krefelder Appell unterzeichnet haben.

Faktencheck: Falsch, denn Drewermann kennt Ballweg nicht.

Als Drewermann den Appell unterschrieb, wusste er nicht, dass auch der Gründer von „Querdenken,“ Michael Ballweg, unter den über 5000 Unterzeichnenden des neuen Appells sein würde. Drewermann hat kein Internet, wo er sehen könnte, wer sonst den Appell noch unterzeichnet hat. Noch vor seinem ersten Artikel hatte Drobinski Drewermann nach Ballweg gefragt und die unzweideutige Antwort erhalten: „Einen Herrn Ballweg kenne ich nicht.“ Drewermann stellte in unserem Telefonat klar, dass er von Ballweg noch nie gehört hatte, bevor Drobinski ihn in seinem kritischen Artikel erwähnte. Drobinski stellt es jedoch weiterhin so dar (zuletzt im Artikel am 7. April), als ob Drewermann bewusst den Appell „gemeinsam“ mit Ballweg unterschrieben habe, um dann zu argumentieren, dass dies ein Indiz dafür ist, dass Drewermann jetzt „unter die Querdenker“ gegangen sei. Ein zufälliges Faktum, von dem Drewermann nichts wusste, wird fälschlich so dargestellt, dass Drewermann bewusst mit dem rechtsradikalen Querdenker Ballweg zusammenarbeite und daher Schuld durch Assoziation trage.


Vorwurf 10: Drobinskis Publik-Forum Artikel zeigt ein Bild von einem spontanen 5-minütigen Interview Drewermanns „in 2014 mit dem Verschwörungsideologen Ken Jebsen,“ das als Beleg dafür gelten soll, dass Drewermann Jebsens Ideen nahestehe und sie unterstütze.

Faktencheck: Der Vorwurf ist falsch.

Drewermann hat vor sechs Jahren, im März 2016, ein einziges Mal ein vorher geplantes Interview an Ken Jebsen gegeben, also lange vor der jetzigen Kontroverse um Jebsen. Im April des gleichen Jahres nahm Jebsen, der mit der Friedensbewegung zusammengearbeitet hatte, in Zusammenarbeit mit Urania Berlin den Vortrag Drewermanns zum Thema „Geld, Gesellschaft und Gewalt“ auf und vertrieb ihn. Weder in dem Interview noch in dem Vortrag vertritt Drewermann Verschwörungsideologien. Drittens war Drewermann einer der Friedensredner bei Stopp Ramstein 2017. Die Veranstalter ließen die Reden von verschiedenen Kamera-Teams aufnehmen und verbreiten, darunter auch Jebsens. Jebsens Aufnahme dieser beiden Veranstaltungen, die mit den Veranstaltern organisiert wurden, darf nicht als Drewermanns Unterstützung von Jebsens Ideen mischarakterisiert werden. Schließlich verhält es sich ähnlich mit dem spontanen fünf-minütigen Gespräch, das Jebsen nach einer Friedensrede Drewermanns am 13.12.2014 in Berlin vor dem Schloss Bellevue, der Residenz des Bundespräsidenten, mit ihm führte. Jebsen ging spontan auf Drewermann zu, um ihn nach der Rede kurz zu befragen. Drewermann kannte Jebsen vorher nicht und das Gespräch war nicht geplant. Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (2017), der Friedensaktivist Reiner Braun (2016), der bekannte Schweizer Kapitalismuskritiker Jean Ziegler (2015), und der israelische Soziologe Moshe Zuckerman (2013) haben auch alle schon Interviews an Jebsen gegeben. Wie sie darf auch Drewermann aufgrund eines einzigen geplanten Interviews nicht nach dem problematischen Argument der Kontaktschuld, das Micha Brumlik treffend als „politisch-demagogisches Prinzip“ bewertet hat, des Rechtsradikalismus, Querdenkens, oder gar des Antisemitismus beschuldigt werden.


Vorwurf 11: Drewermann sei ein Verschwörungstheoretiker und Querdenker, denn er „tritt bei Oval Media auf, einer Produktionsgesellschaft, die seit 2020 Sprachrohr der Impfgegner und Corona-Leugner ist – in einer Reihe mit dem mittlerweile vom Verfassungsschutz als »Verdachtsfall« geführten Ken Jebsen oder Max Otte, dem Bundespräsidenten-Kandidaten der AfD.“

Faktencheck: Falsch, weil der Vorwurf auf dem fragwürdigen Argument von Kontaktschuld beruht.

„In einer Reihe mit“ gibt den Eindruck, Drewermann gehe die gleichen Wege, wie die genannten Personen und unterstütze ihre Ansichten. Wie anders wäre der Eindruck gewesen, wenn Drobinski stattdessen geschrieben hätte „in einer Reihe mit dem Direktor des Instituts für Public Health der Charite Tobias Kurth oder dem Hirnforscher Gerald Hüther,“ denn sie und andere aus einem breiten Meinungsspektrum wurden während der Pandemie von Oval Media interviewt. Auch dieser Vorwurf argumentiert mit Kontaktschuld. In seinem Interview verbündete sich Drewermann nicht mit Impfgegnern oder Corona-Leugnern, sondern sprach aus religiöser Perspektive über die Einseitigkeit einer rein naturwissenschaftlichen Weltsicht. Drewermann argumentiert, dass er versucht, der Haltung Jesu in der Bergpredigt zu folgen. Er sieht es daher als seine Pflicht an, wie Jesus in seiner Zeit mit den „Aussätzigen“ in unserer Zeit, also mit denen, die aus irgendwelchen Gründen am Rand der Gesellschaft leben, „Kontakt“ zu haben, ohne dadurch selbst zum angesteckten „Aussätzigen“ zu werden oder so behandelt zu werden.

Fazit: Die Vorwürfe halten einem Faktencheck nicht stand.

Aufgrund der vorgebrachten Vorwürfe behauptet Drobinski, Drewermann „riskiert seinen Ruf“, „driftet“ als Vorbild ab, und könnte seinem historischen Gesamtwerk schaden. Der Faktencheck zeigt, dass die Vorwürfe im Zusammenhang mit Drewermanns Haltung zum Krieg in der Ukraine, zur Corona-Impfung, und zu Verschwörungstheorien und Querdenkern nicht erhärtet werden konnten. Fünf Vorwürfe basieren auf falschen Faktenbehauptungen (1-3, 5, 6); ein Vorwurf insinuiert aufgrund eines Missverständnisses fälschlich eine Nivellierung von Hitler (4); drei Vorwürfe basieren auf dem problematischen Argument von Kontaktschuld (9-11); ein Vorwurf interpretiert fälschlich einen einfachen Gedächtnisfehler in der Neujahrsansprache, der in der Druckausgabe korrigiert wurde, als Beleg für eine Verschwörungstheorie (7); und ein Vorwurf schreibt eine bewusste Zustimmung zu einer Verschwörungstheorie zu, wo Unkenntnis und unvorsichtige Ignoranz am Spiel waren (8). Um diese Art von fahrlässigem Journalismus zu vermeiden, ist zu empfehlen, dass im journalistischen Umgang mit dem Ruf eines Menschen vorsichtiger und menschlicher umgegangen wird. Dazu würde gehören, Vorwürfe erst gründlich auf Fakten hin zu überprüfen und zu erhärten, bevor sie der Öffentlichkeit zur Meinungsbildung vorgelegt werden, sowie nach plausiblen einfacheren Erklärungen (Prinzip von Ockhams Rasiermesser) zu suchen, bevor Insinuationen von Verschwörungstheorien gemacht werden.

Dr. Matthias Beier ist Professor für Psychotherapie und Pastoraltheologie am Christian Theological Seminary in Indianapolis, Indiana, USA, Psychoanalytiker, und Autor von Eugen Drewermann: Die Biografie (Patmos 2017) und Gott ohne Angst: Einführung in das Denken Eugen Drewermanns (Patmos 2010).

Eine Erwiderung Drobinskis auf den Faktencheck sowie ein Kommentar Beiers zu der Erwiderung findet sich hier.

2 Kommentare zu „Stellungnahme von Drewermann-Biograf Matthias Beier: Vorwürfe gegen Drewermann halten Faktencheck nicht stand.

  1. Es gibt leider immer wieder Menschen die Löcher im System suchen um Anderen ohne ihr dazutun und wissen, schaden wollen und scheinbar Spaß daran haben oder sogar ihr Geld damit verdienen. Das ist einer der vielen Gründe, warum ich mich aus dem sozialen Gefüge ausgeklinkt habe und mein Leben unter meiner Verantwortung maximal mit meiner Partnerin alleine lebe und gestalte.
    Viele Grüße aus dem Paradies
    Machiste

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